Mittwoch, 26. Februar 2014

Du hängst am goldenen Faden, Baby

"Macht es eigentlich noch einen Sinn dir zu helfen? Oder hast du dich selbst schon aufgegeben? Lohnt es sich dir zu helfen oder rede ich gegen eine Wand?"
Einatmen. Ausatmen. Keine falsche Bewegung. Rücken gerade. Jeder Zeit bereit sein aufzuspringen und wegzulaufen. Ihn genau im Blick behalten. Arme schützend vor den Körper.
Lohnt es sich? Würde ich mit ihm arbeiten? Meine Angst überwinden?
Die Stimmen in meinem Kopf beginnen zu schreien. Kurzzeitig sind sie versummt, haben meinen Gedanken und seinen Worten gelauscht.
"Nein, Schätzchen, nein. Du hast Angst. Du hast immer Angst. Du redest nicht"
Ich möchte mir die Ohren zuhalten. Aber sie haben Recht.
"Es lohnt sich nicht dir zu helfen. Du bist besessen, unbrauchbar. Besessen von ihr. Unbrauchbar für sie"
Haben sie Recht? Unbrauchbar für sie? Nein. Nein, bitte.
"Du hast versagt. Dein Leben ist vorbei"
Mein Leben ist vorbei. Ich hab versagt.

Freude, Wut, Zusammenbruch.
Wechsel im Sekundentakt.
Ich stehe neben mir.
Sehe zu wie ich die Menschen mit meinen Stimmungsschwankungen verschrecke und verscheuche.
Sehe zu wie ich dich verscheuche.
Versinke in Selbstmitleid. Lache, Schreie, Heule.
Sehe wie meine Welt dahin geht. In Schutt und Asche zerfällt.
Doch ich bin schon lange zu schwach um einzugreifen.
"Du hängst am goldenen Faden, Baby"
Die Stimmen gröllen und lachen schallend, während ich um mein Leben kreische.
"Deine eigene Mutter will dich nicht. Hat dich verlassen. Du bist Geisteskrank. Borderlinerin. Wahrnehmungsgestört. In der Entwicklung hängen geblieben"
Ich hänge am goldenen Faden.
"Sie verlässt dich auch noch. Meinst du sie verzeiht dir? Du hast alles verspielt. Nicht mehr lange und du hast nichts mehr. Das wars dann"
Ich schreie. So schrill und laut wie es geht. Will die Wahrheit nicht hören.
Lasst mich.
Ich bin wie besessen.
Jedes Wort analysiere ich. Ich interpretiere hinein. Ich werte aus. Ich raste aus.
Ich stehe auf dem Fensterbrett.
Verlass mich nicht. Verlass mich nicht. Ich liebe dich. Verlass mich nicht.
Ich bin krank.
Ich taumele auf dem Fensterbrett.
Freude. Wut. Zusammenbruch.
Es tut mir Leid.
Ich kann das nicht kontrollieren. Verstehst du?
Ich hab die Kontrolle über mich verloren.
Ich hab die Kontrolle verloren, von welcher ich mal besessen war. Nach der ich süchtig gewesen bin.
Jetzt bin ich besessen von dir, süchtig nach dir.
Aber unbrauchbar für dich.
Ich hänge am goldenen Faden.

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