silence

Wahrscheinlich fragt ihr euch was das hier soll. Ich will es euch erklären. Es ist so, wenn ich irgendetwas aus dem Weg gehen will dann schreibe ich. Ich schreibe. Das habe ich schon immer so gemacht. Im Moment ist es so, dass ich schreiben muss. Wenn ich nicht schreibe passieren Dinge, die nicht passieren sollen. Dinge, die ich am nächsten Tag bereue und Dinge, die vielleicht irgendwann man böse ausgehen. Ich muss etwas schreiben und weil ich im Moment zu viel im Kopf hab um euch vernünftig über mich erzählen zu können will ich eine Geschichte schreiben, die vielleicht ein Stückchen Stille mit sich bringen kann. Eine Geschichte die mich vielleicht von meinem Leben ablenken wird oder auch weiter rein bringen kann um endlich wieder Klarheit zu schaffen. Diese Geschichte beschreibt NICHT mein Leben. Es kommen vielleicht Situationen vor in denen mein Leben sich wiederspiegeln, vielleicht aber auch welche, die mit meinem Leben überhaupt nichts zutun haben. Das hier ist und bleibt nur eine ausgedachte Geschichte. Verfolgt sie oder lass es bleiben.
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One.
Wütend renne ich in mein Zimmer. Ich wollte meine Ma nicht anschreien. Ich wollte ihr nur endlich klar machen, dass sie mich nicht mehr kontrollieren kann. Seit Wochen vesucht sie mit allen Mitteln mich wieder aus der Scheiße heraus zu ziehen. Keine Ahnung was ihr Problem ist. Sie fuckt mich einfach todes ab in letzter Zeit. Sie versteht nicht, dass ich mich von ihr entfernt habe. Sie versteht nicht warum ich mich so verändert habe. Das wird sie auch nicht. Sie wird nicht herauskriegen was passiert ist. Niemand wird das. Sie hat mir heute wieder einmal nur Vorwürfe gemacht. Sie hat es provoziert, dass ich wieder ausraste. Das war doch Absicht. Aber das sie zusammen bricht hab ich auch nicht gewollt. Ich seh sie nicht gerne weinen. Ich hab sie ohne Ende angeschrien. Ich schreie immer wenn die Gefahr besteht, dass ich weinen könnte. Ich habe aufgehört Gefühle zu zeigen, die mich verraten könnten. Geweint hab ich lang nicht mehr.
Nach einer Zeit kann ich mich wieder etwas beruhigen. Meine Atmung geht wieder regelmäßiger und ich entspanne meine Muskeln wieder etwas. Dafür steigt jetzt der Selbsthass in mir hoch. Da unten liegt meine Mutter jetzt am Boden. Weinend und nah am Rande der Verzweiflung. Sie weint wegen mir. Ich hab sie so zerstört. Konnte ihr nichts recht machen. Ihr nicht und auch niemand anderem. Langsam stehe ich von meinem Bett auf. Trete vor den großen Spiegel, ziehe meinen Pulli aus und sehe an mir herunter. Was ich da sehe macht mich wütend. Es fällt schwer nicht wegzusehen. Es fällt schwer dem Wesen da gegenüber von mir in die Augen zu sehen. Was ich aus mir gemacht habe ist ein einziges Schutzschild, das ich mir der Zeit aufgestellt habe. Meine Haare sind lang geworden. Früher waren sie blond. Richtig hellblond. Es ist nicht so, dass ich das nicht schön fand, aber ich hab einfach was anderes gebraucht. Heute sind sie rot. Dunkelrot und glatt. Septrum, Cheeks und Lippenpiercing. Tunnel momentan 12mm. Meinen linken Oberarm zirrt ein Totenkopf. In meinem Nacken ist eine Endlosschleife tättooviert. Ich trage meine Lieblingsshorts. Eine ausgefranste hochgeschnittene Hot Pans mit Nieten und Löchern. Darüber ein schwarzes weites Shirt auf dem ein goldenes Kreuz ist über das ich eben noch den Pulli getragen habe. Ebenfalls eins meiner liebsten Stücke. Der Blick fällt auf meinen  Arm. Ich stereiche langsam über die ganzen Narben. Einige sind noch frisch. Ein paar sind schon verheilt und nur noch helle, kleine Streifen auf meiner Haut. Ich drehe meinen Arm um. Mein Handgelenk. Zwischen all den Narben fällt ein ganz besonders ins Auge. Eine Narbe, die ganz anders aussieht als die anderen. Länger. Breiter. Dort wurde Tief geschnitten. Mit einem Küchenmesser. Nicht tief genug. Damals hab ich mich in meinem Zimmer eingeschlossen und war fest entschlossen dem Elend ein Ende zu setzen. War leider nichts. Man konnte mich retten. Mein Hülle konnte man retten. Innen drin kam jede Hilfe zu spät. Das war der letzte Tag an dem ich geweint habe. Danach hab ich angefangen, dass Schutzschild zu bauen. In Therapie war ich. Hab Schauspielern als meine bis dorthin unbekannte Fähigkeit entdeckt. Der nächste Versuch wird kommen.

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