Sonntag, 27. Oktober 2013

Retter in der Not

Es ist spät.
Ich sitze auf dem Balkon. Es regnet.
Ich brauche jetzt eine Zigarette.
Ich muss ein bisschen nachdenken.
Ich bin ganz allein. Keine Ablenkung.
Gedanken schlagen auf mich ein.
Dieser Junge. C.
Ich weiß nicht was er mit mir macht. Aber es ist falsch.
Ich wollte nur mit ihm spielen.
Ich hätte das Spiel schon längst beenden müssen, aber es ist als könnte ich plötzlich nicht mehr weggehen.
Es ist nicht wie sonst.
Es ist nicht wie bei meinen ganzen, letzten Spielgefährten.
Ich stehe dort, will weglaufen, aber meine Beine weigern sich. Sie bleiben einfach stehen.
Was hat er mit mir gemacht? Das ist alles so weit gegangen. Viel zu weit.
Jetzt habe ich mich in ihm verirrt. Jetzt finde ich nicht mehr zurück.
Es ist seine Mimik. Vor allem seine Mimik. Er hat etwas besonderes an sich, was mich fasziniert.
Seine Mimik.
Ich kann sie nicht mal beschreiben.
Ich könnte ihm Stundenlang ins Gesicht schauen. Mir würde nicht langweilig werden. Ich kann mich nicht daran satt sehen.
Ich weiß nicht was das soll. Er zieht mich in seinen Bann.
Das darf nicht sein. Das ist ganz falsch.
Das ist alles ganz falsch.
Ich kann das nicht. Ich will nicht.
Das sind Schmerzen, die ich nicht ertragen kann. Gefühle, die ich nicht fühlen will.
Es fängt jetzt schon an. Ich fange jetzt schon an auf eine Antwort von ihm zu warten. Ich fange jetzt schon an zu weinen wenn sie nicht kommt.
Es tut weh. Dieses Gefühl von Abhängigkeit.
Wenn ich es nicht mehr kontrollieren kann und wenn ich merke, dass er jetzt mit mir machen könnte, was früher mit mir gemacht wurde, dann fängt es an entsetzlich weh zutun.
Dann reißen alte Narben wieder auf.
Halt. Nein stop. Ich spüre die Leere ganz intensiv. Schmerzen. Ich muss sie loswerden.
Ich muss C. loswerden.
Mein Verstand verlässt mich. Und da ist auf einmal nur noch der eine Wille in mir.
Leere töten. Ich muss die Leere töten.
Ich drücke die Zigarette ohne ein Zögern auf meinem linken Arm aus.
Zucke zusammen und entspanne mich dann.
Süßer, dumpfer Schmerz. Retter in der Not.
Dann stehe ich auf. Lege mich ins Bett und schlafe.
Gute Nacht.

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