Montag, 12. November 2012

I'm nothing.

Da ist die Musik. Ich höre für diesen einen Moment nur die Musik. Lasse mich von ihr tragen. Lasse mich einen Augenblick lang fallen. Schließe die Augen. Meine Füße bewegen sich ganz wie von selbst. Spüre das Leder meiner Tanzschuhe über den Boden gleiten. Der Takt und meine Bewegungen werden Eins. Die Choreografie ist selbstverständlich. Als hätte ich nie etwas anderes getanzt. Es ist wie schweben. Nur noch viel einfacher. Jeder einzelne Schritt an der richtigen Stelle. Die Stimmen verstummen. Die Schmerzen werden erträglich. Für diesen Augenblick zählt nur der Tanz. Doch dann finde ich zurück. Die Musik ist längst verstummt. Die Stimmen in meinen Kopf schreien. "Nicht gut genug, nicht perfekt, du bist ein Nichts!" Die Beine geben nach. Ich falle. Hatte immer Angst davor zu fallen. Bleibe auf dem Boden liegen. Ich bin ein Nichts.
Es gibt heute eigentlich nicht viel zu sagen. Hm doch. Es gibt da viel was ich sagen könnte. Zu vieles ist in meinem Kopf was ich sagen möchte. Kann es nicht in Worte fassen. Mum hat raus gefunden was los ist. Zumindest einen Teil. Dafür danke ich meinem reizenden Stiefvater. Ich saß bei ihnen am Tisch. Ausnahmsweise. Hab nichts gegessen. Natürlich hat Mum gefragt warum ich denn nichts essen will. Anstatt einfach weiter zu essen, ließ es sich mein Stiefdad natürlich nicht nehmen sich einzumischen, nein. "Sie hat Angst, dass sie zu fett wird. Sie rennt ständig zur Waage" Vielen Dank, schöner hätte ich, dass nicht ausdrücken können. Werfe ihm einen bösen Blick zu. Lache leise, als meine Mum mich skeptisch ansieht. Hasse diesen Blick von ihr. Versuche alles abzustreiten. Vergeblich. Sie glaubt eh ehr ihm als mir. Das ist schon immer so gewesen. Seit wir bei ihm eingezogen sind. Bin dann in mein Zimmer gegangen. Warte schon auf das ernste Gespräch mit meiner Mum. Sie wird mir zum millionsten Mal erzählen was für ein schönes Mädchen ich doch bin. Das ich das ja überhaupt nicht nötig hätte und immer zu ihr kommen könnte. Egal mit welchen Problemen. Sie wird mich mit ihrem 'Was ist bloß los mit meiner Tochter- Blick' ansehen und mich mit Fragen durchlöchern. Doch sie wird auf dabei auf eine kalte Mauer stoßen. Wie jedes Mal. Sie wird die Antworten bekommen die sie hören will. Das ist alles. Mehr kann ich ihr nicht geben. Ich bin ein Nichts. Ein widerliches kaltes Nichts.
Ich vermisse ihn.

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