"Du musst reden, Leni, du darfst nichts in dich reinfressen. Du darfst auch weinen. Das ist überhaupt kein Problem. Nur bitte lass es raus. Ich will dich nicht wieder wegbringen müssen. Das ist das einzige was mir Angst macht. Der Rest ist nebensächlich". Ich sehe aus dem Fenster. Es tut mir Leid, Mama. Ich versuche die Tränen zu unterdrücken. Es tut mir Leid, dass ich dir solche Angst bereite. Wegen dem Idioten passiert mit mir gar nichts, Mama. Er kann uns mal. Es soll hier in seinem Haus verrecken. Wenns nötig ist helfe ich auch nach. Ja, ich erschieße ihn. Ich werd ihm sein gottverdammtes Leben zur Hölle machen, Mama. Und dann werden wir das zusammen packen. Lass dich fallen. Ich trage auch dich. Wir brauchen ihn nicht. Ich bin da für dich. Ich trag deine Sorgen. Und meine bleiben bei mir. Die brauchst du nicht tragen, Mama. Sie sind zu schwer für dich. Es tut mir Leid, Mama.
Donnerstag, 16. Mai 2013
Es tut mir Leid, Mama
Ich sitze ganz still am Tisch. Es ist ungewohnt dort so zu sitzen. Heute verziehe ich mich nicht gleich in mein Zimmer. Aus irgendeinem Grund weiß ich, dass ich besser bleiben sollte. Mama sitzt gegenüber von mir. Sie fängt an zu erzählen. Hätte nicht damit gerechnet. Sie tut mir so Leid. Ich bringe ihn um. Ich will nicht hören, dass wir wegen ihm raus müssen. Ich will es nicht hören. Er wirft uns einfach raus. Es geht ihr nicht gut. Sie versucht stark zu sein. Wie immer. Aber ich sehe ihr an, dass es ihr schlecht geht. Solange hab ich sie schon nicht mehr weinen sehen. Das letzte Mal ist so lange her. Jetzt sehe ich genau wie sich ihre Augen mit Tränen füllen und sie vergeblich probiert sie wegzublinzeln. Es erinnert mich an damals als sie mich in die Klinik gebracht hat. Als sie fahren sollte. Ohne mich. Ohne das kleine, psychischkranke Mädchen, welches nach ihrer Mama kreischt während sie von den Schwestern festgehalten wird. Sie wollte mich dort nicht alleine lassen. Aber ich musste in Therapie. Ich musste dort bleiben. Ohne sie. Und auch heute weint sie nicht nur wegen dem scheiß Idioten, der uns aus dem Haus wirft. In erster Linie weint sie, weil sie Angst hat, dass ich wieder krank werde. Das sie mich wieder als kaputtes, spindeldürres Mädchen in die Klinik einweisen lassen muss. Wie früher in einer, wie sie meint, ähnlichen Situation. Doch diese Situation ist nicht ähnlich, Mama. Sie ist mit der Situation von früher nicht zu vergleichen. Früher war ich klein und schwach. Früher wars mein Vater. Früher stand ich zwischen Mum und Dad. Als kleines, verletzliches Mädchen. Völlig überfordert mit der ganzen Situation. Das kannst du nicht mit heute vergleichen, Mama. Heute bin ich alt genug. Stark genug. Ja, abgestumpft irgendwie. Und er interessiert mich nicht. Er lässt mich kalt. Das alles lässt mich kalt. Nur du nicht, Mama. Früher war ich krank. Und sie hat Angst, dass ich wieder so krank werde. Sie hat ja keine Ahnung davon, dass ich nie gesund gewesen bin. Damals haben sie alle gedacht die Klinik hätte mir geholfen. Sie haben alle auf meine Lügen gehört. Selbst ich hab mir meine Lügen geglaubt. Jetzt bin ich wieder mittendrin und ich verstecken mich vor dir. Ich will nicht, dass du siehst was aus deiner Tochter geworden ist. Ich habe es damals nicht geschafft, Mama. Aber das liegt nicht an deinem Idioten. Es liegt nicht an euch. Es tut mir Leid, Mama.
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