Dienstag, 6. November 2012

Falsches Lächeln

Es ist eine Nacht wie jede andere. Ich sitze in meinem Zimmer auf der Fensterbank, lausche der Musik und denke nach. Ich denke nach über die Dinge die ich am Tag verdrängt habe. Ich spüre die Leere in mir. Immer wieder werden mir meine Fehler bewusst und ich erinnere mich an die Zeit zurück als ich alles verloren hab. An die Zeit in der mit klar wurde das man Menschen nicht vertrauen kann. Menschen sind alle gleich. Jeder einzelne Mensch. Auch meine Familie. Meine Freunde. Ich. Wir sind alle gleich. Falsch. Hinterlistig. Arrogant. Jeder von uns will das beste für sich selbst. Das ist so tief in uns verankert. So selbstverständlich und doch wollen wir es uns nicht eingestehen. Ich habe gelernt das man nicht vertrauen darf. Wer vertraut wird verletzt. Ich habe diesen Fehler schon viel zu oft gemacht. So oft habe ich gedacht ich habe den Menschen entdeckt der anders ist. Den Mensch dem man vertrauen kann doch das war alles eine einzige Lüge. Ich hab mich selbst belogen. Ich habe gehofft und geliebt. Ich habe vertraut. Und ich wurde verletzt. Mir fließt eine Träne die Wange runter. Und noch eine. Es sind die Tränen die nur nachts fließen können. Erst wenn es dunkel ist. Ich weine lautlos vor mich hin. Ich habe mein Herz verschenkt. An den letzten Menschen der es verdient hätte. Er schätzt es nicht doch es gehört jetzt ihm. Er ist der Mensch der mich so oft verletzt hat. Der, der so viel kaputt gemacht hat. Der, der für so viele meiner Narben verantwortlich ist. Ich liebe ihn. Ich liebe ihn unbeschreiblich sehr. Er ist das größte Arschloch der Welt doch ich liebe ihn. Und das wird so bleiben. Ich kann es nicht rückgängig machen selbst wenn ich wollte. Sein Lied läuft. Ich lausche dem Text und weine immer stärker. Ich schalte das Lied weg. Schließe die Augen und versuche mich zu beruhigen. Ich atme tief durch doch die Träne fließen immer weiter. So viel hat sich an diesem Tag angesammelt. Es klopft an der Tür. Schnell zwinge ich mich aufzuhören, ich wische die Tränen weg. Schlucke den dicken Kloß in meinem Hals runter und starre auf meinen Laptop. “Ja?” Die Tür geht auf und meine Mum kommt ins Zimmer. “Wie geht es dir? Du bist so ruhig in letzter Zeit. Ist alles gut?” - “Mir geht es gut. Es ist alles in Ordnung” sage ich ohne den Blick vom Laptop zu wenden. Zu groß ist die Gefahr das sie meine nassen Wangen und meine roten Augen sehen könnte. Ich weiß ganz genau wie gelogen das ist. Mir geht es nicht gut und es ist überhaupt gar nichts in Ordnung. Aber ich sage den Menschen das was sie hören wollen. Ich will keine unnötige Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Als ich aus dem Augenwinkel den ungläubigen Blick meiner Mutter sehe setzte ich schnell ein Lächeln auf. Meine Maske. Das falsche Lächeln hinter dem sich mein wahres Gesicht versteckt. Erst dann geht sie wieder. Sofort als die Tür ins Schloss fällt lasse ich auch meine Maske fallen. Jetzt kann ich die Tränen nicht mehr halten. Sie laufen ohne Kontrolle über mein Gesicht. Ich seufze. Ich kriege kaum Luft. Ich lasse mich ins Bett fallen, presse mein Gesicht in mein Kissen, ich weine hinein bis es völlig durchnässt ist. Erst dann ist endlich keine Tränen mehr übrig. Ich rolle mich zusammen. Alle paar Sekunden entweicht mir ein kleiner Seufzer. Was mache ich hier? Wieso hab ich mich so kaputt machen lassen? Wieso kann ich nicht so stark sein wie alle anderen, ihn einfach unter “Miststück” abstempeln und weiter machen als wenn nichts gewesen wäre? Ich würde so gern sagen können das ich ihn hasse. So gern wissen das ich nicht lüge wenn ich sage es geht mir gut. Lächeln von Herzen. Ungezwungen. Nachts ruhig schlafen. Glücklich sein. Doch das hast du alles mit dir genommen als du mein Herz nahmst.
Was soll ich hier? Ich habe hier nichts mehr zu suchen. Ich bin überflüssig. Ich gehöre nicht hierher das hast du mir sehr offensichtlich gezeigt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen